Der Focus 53/2009 berichtet auf Seite 29, dass 473 Männer im Gegensatz zu nur 3 Frauen sich 2009 in Deutschland in Sicherungsverwahrung befanden. Eine Quote von sage und schreibe 1 Frau auf 157 Männer. Heißt dies, dass Männer 157 mal härter bestraft werden als Frauen? Haben wir gerade eine massive Diskriminierung in unserer Justiz entdeckt?
Nun, das würden zumindest so einige Frauenbeauftragten (Männerbeauftragte gibt es ja noch nicht) vehement und ausdrucksstark behaupten müssen, die aus anderen Statistiken auch schnell gerne eine Diskriminierung ablesen möchten. Beispiel: In diesem Spiegel-Artikel wird die Tatsache, dass Frauen 23 Prozent weniger Stundenlohn als Männer verdienen damit gleichgesetzt, dass diese diskriminiert werden.
Diese Folgerung aber ist ohne Weiteres problematisch. Um Gerechtigkeitsaussagen treffen zu können, müssten die Löhne multipliziert werden mit dem Ehrgeiz, Fleiß und den Fähigkeiten der einzelnen Personen bezüglich Geldverdienen. Wenn in Deutschland 10000 Jungs später CEO werden wollen im Gegensatz zu nur 1000 Mädchen, wäre es dann nicht extrem ungerecht, wenn später von diesen Gruppen 5 Jungen und 5 Mädchen dies erreichen? Gerechter wäre 9 Jungs und 1 Mädchen. Unterm Strich gilt festzuhalten: Statistiken können per Definition keine Ursache-Wirkung-Relationen begründen.
Zurück zu der 150fachen Diskriminierung von Männern. Wie wäre es mit folgender Begründung: Männer gehen einfach mehr Risiko ein und neigen zu Extrema. Dadurch stehen mehr von ihnen auf der absoluten Verliererseite und mehr von ihnen auf der absoluten Gewinnerseite. Und am Ende eben vielleicht 150 Mal mehr in Sicherungsverwahrung? Wenngleich dies sicherlich nicht die letzte Wahrheit sein mag, so macht das doch mehr Sinn als die Vermutung, dass Richter Männer 150 mal härter verurteilen würden als Frauen.
Darüber hinaus warf Lawrence Summers (ehemaliger Harvard-Präsident, Finanzminister und zur Zeit Wirtschafts-Zar in der Regierung Obama) diesbezüglich mal eine These in den Raum*. Sinngemäß ist dies folgende These, die wir persönlich jetzt nicht wissenschaftlich untersucht haben: Der durchschnittliche Wert der Fähigkeiten von Frauen und Männern mag identisch sein, Frauen haben aber womöglich eine geringere „Standardabweichung“. Dies bedeutet praktisch: Es gibt prozentual deutlich mehr extrem dumme und unfähige Männer als Frauen. Und das gleiche gilt auch für das andere Extrem, also deutlich mehr extrem schlaue und fähige Männer als Frauen.
*Siehe seine sehr interessante – zumindest jedoch für diese Thematik beeindruckend objektive – Rede zum Thema Diskriminierung von Frauen.
Tags: Diskriminierung, Frau, Frauen, Frauenbeauftragte, Justiz, Löhne, Lohn, Mann, Männer, Männerbeauftragte, Männerbeauftragter, Standardabweichung, Stundenlohn, Ungerechtigkeit, wissenschaftlich
18. März 2010 um 22:48 |
Das mit der standardabweichung: Männer sind eben antisozial und ausgrenzerisch, und deswegen bemühen sie sich, entweder extrem dumm oder extrem schlau zu sein, um sich von anderen abzuheben.
Das mit der sicherungsverwahrung: Männer sind eben gefährlicher in allem was sie tun, weil sie antisozial sind.
Vergleiche auch Schiller.
Denn reimt sich erst der ganze kram,
ist er viel besser einprägsam.
18. März 2010 um 23:27 |
Der Summers-Link scheint nicht zu funktionieren. Bin auf die Fortsetzung des Artikels gespannt.
19. März 2010 um 00:34 |
Danke Friederich für den Hinweis, Link wurde aktualisiert, seine Rede ist definitiv lesenswert…
19. März 2010 um 09:00 |
Interessant! Ich warte auf Teil2!
26. September 2010 um 12:58 |
[...] Teil 1wurde auf ein Beispiel hingewiesen, bei der scheinbar eine 150fache Diskriminierung von Männern in [...]
11. März 2011 um 19:16 |
Bei der von dir angesprochenen These handelt es sich um eine wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, die immer wieder belegt wurde, zumindest bei der MEssung des IQs. Also keine These, sondern Fakt.
13. März 2011 um 20:42 |
Hi politur,
persönlich denken wir auch, dass die angesprochene These zutrifft aufgrund der bisherigen Versuche. Jedoch sind wir allgemein aus Gewohnheit vorsichtig damit von “Fakt” zu sprechen.
Es gibt heutzutage zahlreiche Themen bei denen zwei Menschen mit gegenteiligen Positionen jeweils denken, ihre wäre “Fakt”. Im konkreten Fall mag es Personen geben, die die Methodik der Versuche kritisieren oder die Ausgänge an anderen Faktoren festmachen…
15. März 2011 um 18:08 |
Fakt ist in der Tat nicht das optimale Wort. Fakten wirkt unveränderlich. Wissenschaftliche Erkenntnisse können sich mit dem Stand der Wissnschaft ändern, daher bevorzuge ich das Wort Erkenntnis. Der hier behandelte Efffekt ist jedoch mehrfach und wiederholt gezeigt worden. Damit ist dieser Effekt noch viel mehr ein Fakt als zB der Klimawandel (der eine Prognose enthält).
15. März 2011 um 18:20
Dem stimmen wir sicher zu politur.