Die Antwort auf die Frage im Titel ist nicht sehr leicht. Zuerst muss präzisiert werden: Für wen? Für Griechenland, Europa, die Banken, die Industrie, den Ottonormalbürger in Deutschland, die Politiker? Mit Hinblick auf welchen Zeitraum: Jetzt? Die nächsten 12 Monate? 5 Jahre? 50 Jahre?
Nun, erstens gilt festzuhalten: Unter prominenten Wissenschaftlern, die kein direktes Interesse haben an einer Pleite oder Nichtpleite des südost-europäischen Landes, gibt es viel mehr Kritiker der Rettungspakete, als solche die dies unterstützen – man vergleiche dazu auch die fünf Wirtschaftsweisen aus Deutschland. Ihr Argument: Die griechische Wirtschaft und der Staatsbetrieb ist so marode, dass eine Erholung von Innen heraus fast unmöglich scheint. Deswegen sei ein Schuldenschnitt, z.B. auf 40 bis 50 Prozent der momentanen Schuldenlast zu bevorzugen. Früher oder später müsse es sowieso zu einem Schuldenschnitt kommen. Das wesentliche Argument dabei ist: Die Sparpakete, welche Griechenland in Verbindung mit den günstigen Krediten abverlangt werden, würgen die marode Wirtschaft dort noch mehr ab. Wenn also dieses Land im Jahr 2010 und 2011 keinen finden konnte, der ihm zu Nicht-Wucherzinsen Kredit geben würde, dann wird dies auch in naher Zukunft nicht so leicht passieren, da die Weltlage einerseits sich verbessern mag, die Wirtschaft wird sich in Griechenland aber mit den Sparpaketen stetig verschlechtern.
Insofern bevorzugen diese Wissenschaftler lieber einen Dämpfer für das europäische Wirtschaftsboot, eine kurzfristige Krise, anstatt, dass man über die nächsten 10 Jahre mit eingeschlagenem Anker durch die Weltmeere fährt – immer mit der potentiellen Gefahr, dass noch weitere Anker geworfen werden müssen, weil die Strafe für unwirtschaftliches Handeln nicht so massiv ausfällt, wie sie ausfallen sollte, um mögliche Nachahmer genügend abzuschrecken.
Auch bei Politikern, die momentan nicht an der Macht sind, ist es sehr auffallend, dass diese stärker gegen diese Beschlüsse sind, als solche, die an der Macht sind. Dies mag populistische Gründe haben: Da sie keine Verantwortung tragen, sagen sie einfach nur das, was gut im Volk ankommt. Oder aber der Grund ist, dass sie nüchterner und objektiver an die Sache herangehen können. Schließlich werden sie für ein potentielles, kurzzeitiges Schrecken, welches auf eine Pleite folgen würde, nicht direkt durch die unwissenden Wähler durch Abwahl bestraft. Und so können sie sich mehr auf das langfristige Wohl des Volkes konzentrieren. Ein dritter Grund ist: Sie genießen den Luxus an der Seitenlinie zu stehen ohne sich mit den wirklichen Folgen zu beschäftigen. Sie lesen einfach nicht die langen Analysen bzgl. der Auswirkungen einer Staatspleite eines Euromitglieds.
Es wird also weiterhin spannend bleiben, wie sich die Krise in Griechenland entwickelt und wohin sich der Rettungsschirm von Europa entwickeln wird, Stichwort: Transferunion und Eurobonds. Schließlich handelt es sich nicht nur um eine ökonomische Krise, sondern auch eine massiv politische, in Griechenland, wie auch im Rest Europas, welches von Deutschland und Frankreich dominiert wird. Wenn man jedenfalls für den nächsten Griechenurlaub Drachmen benötigt anstelle von Euros, so werden wir unsere Leser frühzeitig informieren…
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